Wir blicken in die Zukunft und wissen, dass es notwendig ist zu investieren – und tun das auch

„Wir blicken in die Zukunft und wissen, dass es notwendig ist zu investieren – und tun das auch“, so ließe sich der Schlusssatz, den uns Dmitry Zimin, Geschäfts-führer der Ricambi Ltd. in Moskau anlässlich unseres Interviews gab, sinngemäß übersetzen. Wir stellen ihn an den Anfang, weil er uns symptomatisch für eine Denk- und Handlungsweise scheint, die vielen Unternehmern in Westeuropa heute eher fremd geworden ist.

Ricambi Ltd., Handelsunternehmen, Moskau/ Russland

MAHLE Aftermarket news: Herr Zimin, Sie sind Geschäftsführer von der Firma Ricambi, einem Großhändler für Kfz-Ersatzteile in Moskau. Was bedeutet der Name Ricambi? Zumindest in lateinischer Schreibweise mutet er eher italienisch als russisch an?

Dmitry Zimin: Sie haben Recht. Der Name kommt tatsächlich vom italienischen Verb „ricambiare“ – also umtauschen oder wechseln. „Ricambi“ ist also schlicht das italienische Wort für Ersatzteil. Und da unser ursprüngliches Geschäft darin bestand, Ersatzteile für den Lada zu besorgen – und wir die aus Italien bekommen haben – lag die Namensgebung nahe. Zur Historie: 1966 wurde der Beschluss für die Entwicklung der russischen Automobilindustrie in der UdSSR gefasst und zwischen der russischen Regierung und Fiat ein Abkommen geschlossen über die Produktion von Automobilen für den russischen Markt – auf der Basis des erfolgreichen Fiat 124. 1967 wurde der Grundstein für das VAZ-Werk gelegt und somit auch für die Produktion des Lada.

MAHLE Aftermarket news: Heute versorgen Sie aber nicht mehr nur Lada-Fahrer mit Ersatzteilen?

Dmitry Zimin: Nein, natürlich nicht. Seit dem Kollaps der UdSSR ist der Markt ja offen – und heute finden Sie in Russland alle Automarken, wie im übrigen Europa auch. Zudem hätten wir als Großhändler mit der Spezialisierung auf nur eine Marke natürlich keine Überlebenschance. Die Wettbewerbssituation ist hier kaum anders als in Westeuropa.

MAHLE Aftermarket news: Der Wettbewerb ist also vergleichbar. Aber die wirtschaftlichen Umstände wohl eher nicht. Dmitry Zimin: Nun, wir haben Ricambi gegründet, als die UdSSR zusammenbrach und die New Economy im Aufschwung war. Seitdem hat Russland aber viele Krisen durchlebt – nicht zu vergessen die Wirtschaftsdepression 1998: Mehr als 50 % der jungen klein- und mittelstän-dischen Unternehmen gingen damals bankrott. Wir haben diese Krisen überstan-den und sogar unseren Nutzen daraus gezogen. Heute ist Ricambi schon 12 Jahre alt. Für eine westliche Firma ist ein solches Jubiläum vielleicht keine große Sache, aber für ein russisches Unternehmen aus dieser Zeit bedeutet das viel.

MAHLE Aftermarket news: Keine Angst, Herr Zimin, wir wissen das sehr wohl einzuschätzen. In ganz Europa ist die Situation für kleine und mittelständische Unternehmen schwierig. Und der Geschäftsgeist vieler junger Unternehmer hat dadurch sehr gelitten.

Dmitry Zimin: Ja, davon habe ich gehört. Aber vielleicht ist hier die russische Mentalität eine andere. Wir sehen die Schwierigkeiten und denken dennoch eher optimistisch. Wir investieren in die Zukunft, auch wenn wir wenig zu investieren haben. Wir haben zum Beispiel die Zahl der Mitarbeiter seit der Firmengründung von 5 auf heute 140 erhöht. Das ist zunächst einmal eine Investition, die man im Westen, glaube ich, nicht so schnell bereit ist zu leisten. Hier hat man zwar den Begriff des Risikokapitals erfunden, aber es scheint so, als ob es entweder das Kapital nicht gäbe, oder man es nicht ausgeben will.

MAHLE Aftermarket news: Das ist ein interessanter Ansatz. Bevor wir uns aber in Wirtschaftstheorien verlieren, sagen Sie uns doch bitte, welches Rezept hinter Ihrem Erfolg steht.

Dmitry Zimin: Ein Rezept will ich es nicht nennen, da es ein solches nicht gibt. Ich möchte nicht, dass Sie mich missverstehen – es liegt mir fern, Entschei-dungen anderer Unternehmer zu kritisieren. Die Globalisierung hat aber dazu geführt, dass wir über Ländergrenzen hinweg heute vergleichbare, wenn nicht gar gleiche Problemstellungen haben. Das heißt aber nicht, dass es darauf nur eine Antwort gäbe.

Aber konkret und auf Ricambi bezogen: Es ist uns gelungen, mit den ständig wachsenden Marktanforderungen Schritt zu halten und wichtige Veränderungen des Marktes zeitnah mit zu vollziehen. Ein Beispiel: Noch vor Kurzem war der Ersatzteilmarkt ähnlich wie viele andere Märkte ein Verkäufermarkt. Die Nach-frage war höher als das Angebot. Heute ist es umgekehrt. Es geht so weit, dass das gesuchte Produkt allein nicht reicht. Kunden wollen Zusatznutzen. Sie wollen die Garantie hochwertiger Ware, verbunden mit der Sicherheit umfassender Serviceleistungen. Und natürlich auch die Gewissheit, das gesuchte Produkt so preiswert wie möglich einzukaufen.

MAHLE Aftermarket news: Kommt hier dann die Frage nach der Auswahl der Lieferanten ins Spiel?

Dmitry Zimin: Nun, wir haben uns natürlich nicht ohne Grund für MAHLE entschieden. Schließlich ist Zuverlässigkeit in puncto Qualität, Service und Preis eines der wichtigsten Auswahlkriterien. Aber lassen Sie mich bitte noch etwas anfügen. Wir versorgen ja nicht nur den Markt in Moskau, wir bauen ein Nieder-lassungsnetz für ganz Russland auf. Auch das ist eine Investition, die sich zunächst nicht rechnen mag, die aber auf längere Sicht hoffentlich das leistet, was Sinn und Zweck jeder Investition sein muss: Unsere Kunden besser, schneller und günstiger zufrieden zu stellen. Ich glaube, hier denken Sie bei MAHLE Aftermarket sicher nicht anders, oder?

MAHLE Aftermarket news: Da haben Sie natürlich vollkommen Recht, Herr Zimin, und so bleibt uns nur noch, uns für das Interview und die schöne Schlussbemerkung herzlich zu bedanken.
 

 

Suche

 Go
 
 

Veranstaltungen

Aktuelle Termine
 
 

Vertriebspartner

Kontakte
 
 
 
 

Kundeninformationssysteme

KIS Filter
KIS Motorenteile
Technical Messenger