
Produktfälschungen haben Hochkonjunktur. Immer mehr dubiose Unternehmen kopieren die hochwertigen Produkte renommierter Marken bis hin zur Verpackung – in der Hoffnung, durch den illegal verwendeten guten Namen und den Einsatz minderwertiger Materialien ans schnelle Geld zu kommen. Als Top-Marken sind auch MAHLE Filter und Knecht nicht vor Fälschungen gefeit. Produktfälschungen bei Autoteilen sind keine Kavaliersdelikte, sondern eine echte Gefahr: Die hier gezeigten Beispiele schaden nicht nur dem Ruf der kopierten Marken, sondern auch dem Motor – und damit jedem Einzelnen in der Handelskette, der solche Fälschungen einbaut und vertreibt. Allerdings: Die Fälschungen sind nicht ohne Weiteres zu erkennen – von außen ist der verbotene Nachbau zumeist unauffällig. Deshalb haben unsere Experten einen Blick ins Innere zweier besonders frecher Plagiate geworfen. Der Ölfilter: Die Fälschung ist nicht funktionsfähig „Nagelprobe“: Nicht bestanden Der angebliche OC 257, den ein Händler an MAHLE Aftermarket zur Überprüfung schickte, zeigte im ersten Moment keine Auffälligkeiten. Nach einer einfachen Kratzprobe an der Bedruckung kamen dann doch Zweifel auf: Die Druckfarbe konnte mühelos mit dem Fingernagel entfernt werden!  | | Links das Original mit abriebfester Bedruckung. Rechts die Fälschung, bei der sich der Druck durch Kratzen mit dem Fingernagel ablöst. |
Die Sicke: Hier sickert’s durch Nach dem Öffnen des Filters ein Blick auf die Endscheibe: Hier fehlt bei der Fälschung die zweite Sicke. Sie dient im Original zur Verstärkung der Deckscheibe, um zu verhindern, dass diese sich bei Belastung verformt und der Dichtring infolgedessen nicht mehr abdichten kann.  | | Die Endscheibe: von außen nicht unterscheidbar. |
 | | Aber innen fehlt bei der Fälschung (rechts) die Verstärkungs-Sicke. |
Filtereinsatz: Kurz und schlecht Nun zum Filtereinsatz selbst: Dieser ist um 10 mm kürzer als das Original. Die Folge: ca. 9 % weniger Filterfläche – dadurch weniger Filterleistung und verringerte Schmutzaufnahme. Auch weist der Einsatz statt 80 Faltungen nur 60 auf! Allein durch die geringere Faltungsanzahl ist die Filterfläche um 25 % reduziert. Das bedeutet: Zusammen mit den 9 % ergibt das eine um 34 % geringere Schmutzaufnahme und eine um 34 % verkürzte Lebensdauer. Auffällig ist auch die ungleichmäßige Faltengeometrie: Teile des Filterpapiers sind sehr dicht gefaltet – kurz vor einer Blockbildung. Bei anderen hingegen sind die Abstände viel zu groß. Gleichzeitig fehlt an einigen Stellen die Verklebung zwischen Faltenstern und Blechendscheibe, mit der verheerenden Folge, dass das Öl hier direkt und ungefiltert von der Roh- zur Reinseite strömt!  | | Links Original, rechts Fälschung: kürzerer Filtereinsatz und ungleichmäßige Faltung. |
 | | Im Detail: Die Faltung ist mangelhaft – und teilweise nicht verklebt. |
Rücklaufsperrventil: Dumm gelaufen Eine besonders kritische Stelle ist die Abdichtung zwischen Roh- und Reinseite im Bereich des Rücklaufsperrventils. Bei den Filtern der Marken MAHLE und Knecht zeichnet sich der Einsatz durch einen sauberen Radius aus, der in Verbindung mit einem präzisen Gummiformteil als Rücklaufsperre für eine einwandfreie Abdichtung sorgt. Beim Plagiat hingegen ist lediglich ein scharfkantiger Blechrand zu erkennen, an dessen schartiger, rissiger Kante das Öl direkt – ohne Filtration – von der Roh- zur Reinseite läuft.  | | Das Original: eine Präzisionsabdichtung. |
 | | Die Fälschung mit scharfkantigem, undichtem Blechrand, durch den ungefiltertes Öl gelangt. |
 | | Beim Original ist das Rücklaufsperrventil als präzises Gummiformteil gefertigt. Rechts hingegen das Plagiat mit einfacher ausgestanzter Gummischeibe, die nicht an der Dichtfläche anliegt. Die Folge: Je nach Einbaulage (Filter liegend oder auf dem Kopf eingebaut) kann der Filter nach dem Abstellen des Motors komplett leer laufen – und er muss beim nächsten Motorstart erst wieder komplett gefüllt werden. Bis dahin wird der Motor nicht mit dem notwendigen Öl(druck) versorgt, was langfristig zu einem erhöhten Verschleiß an den verschiedenen Schmierstellen im Motor – wie Kurbelwellenlager, Nockenwellen oder Zylinder – führt. | |
Versagen am Bypass Endgültig disqualifiziert sich der Ölfilter-Nachbau beim Bypassventil. Dieses wichtige Bauteil hat die Aufgabe, die Ölversorgung des Motors unter allen Umständen sicherzustellen – also beispielsweise selbst bei einem total zugesetzten Einsatz bzw. bei extrem tiefen Außentemperaturen (und entsprechend zähflüssigem Öl). Beim Plagiat ist das Ventil absolut funktionsuntüchtig: Die Federspannung ist so gering, dass es selbst im normalen Bereich dauerhaft offen steht … und das Öl permanent ungefiltert zum Motor strömt. Das heißt: Dieser nachgemachte Ölfilter kann seine Aufgaben nicht erfüllen – mit der Folge, dass im Betrieb der Motor relativ kurzfristig Schaden nehmen wird.  | | Das MAHLE Bypassventil |
 | | Und das nicht funktionsfähige Pendant am gefälschten Filter |
Die Kraftstofffilter-Kopie: Filtert nicht Plastik statt Alu Der gefälschte KL 72 kam in einer besonders dreisten Form zu MAHLE Aftermarket: in einer offensichtlich nachgemachten alten Knecht Verpackung. Beim Öffnen wurde aber sehr schnell klar, dass es sich hier tatsächlich nur um eine Fälschung handeln konnte: Während der Kraftstofffilter normalerweise in Aluminium gefertigt wird, besteht der Billig-Nachbau aus Kunststoff. Überdies war die Bezeichnung falsch: Statt „Kraftstofffilter“ ist „Krarislofffilter“ zu lesen.
 | | Der KL 72 wird von uns in Aluminium gefertigt. Nachbauer begnügen sich mit Kunststoff – und Schreibfehlern auf dem Gehäuse. |
Ganz und gar nicht dicht Der Filtereinsatz war auf den ersten Blick unauffällig, offenbarte jedoch einen signifikanten Mangel: Die scharfe Kante ist zur Abdichtung von Roh- und Reinseite gänzlich ungeeignet – hier ist ein Radius erforderlich. Auch sind die Maßunterschiede zwischen der Bohrung im Filtereinsatz und ihrem Gegenstück so groß, dass hier keine Abdichtung zu erwarten ist: Der Kraftstoff strömt ungefiltert von der Roh- zur Reinseite.
 | | Der KL 72 wird von uns in Aluminium gefertigt. Nachbauer begnügen sich mit Kunststoff – und Schreibfehlern auf dem Gehäuse. |
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