
Hinter der ATR stehen die 3 deutschen Großhandelsunternehmen Matthies, Stahlgruber und WM AG sowie weitere Gesellschafter im Ausland. Diese bilden zusammen die ATR International AG, im Kfz-Teile-Bereich eine der größten Kooperationen Europas und außerhalb – mit einem Umsatz von rund 3,7 Milliarden Euro in 2009. MAHLE Aftermarket news sprach mit ATR-Vorstand Roland Dilmetz über die Chancen und Risiken des Marktes.
 | Roland Dilmetz, Vorstand der ATR International AG, kennt den Kfz-Teile- Markt wie kaum ein anderer. |
MAHLE Aftermarket news: Als Vorstand der ATR International AG haben Sie wohl mit den besten Einblick in die momentane Situation der Kfz-Teile-Händler und Werkstätten. Wie sieht es aus nach Finanzkrise und Abwrackprämie?
Roland Dilmetz: Unsere Händler und Werkstätten profitieren momentan von der Krise. Die Verschiebung des Wartungs- und Reparaturvolumens von den Vertragswerkstätten zu den Freien konnte die Einbußen durch die ökonomisch wie ökologisch unsinnige Abwrackprämie mehr als kompensieren. Gleichzeitig beobachten wir momentan die Erholung der osteuropäischen Märkte – und damit die Sensibilisierung für markt- und betriebswirtschaftliche Aspekte. Beispiel Lagerhaltung: Während vor einigen Jahren die Läger der Betriebe in Osteuropa prallvoll waren und enormes Kapital gebunden haben, hat dort zwischenzeitlich eine Bestandsoptimierung stattgefunden. Ein solcher Prozess bedarf natürlich leistungsfähiger Großhandelspartner und Teilehersteller, die den Warenfluss sicherstellen müssen.
MAHLE Aftermarket news: Die ATR kooperiert ja mit insgesamt 104 Industriepartnern. 32 davon, darunter MAHLE, haben den IPAS-Status. Was ist das Besondere daran?
Roland Dilmetz: Die 32 „International Preferred ATR Supplier“ (IPAS) sind diejenigen, mit denen wir insgesamt ca. 70 % des Umsatzes in den entsprechenden Warengruppen machen. Damit sind die IPAS unsere europaweit mit Abstand stärksten Lieferantenpartner. Der Werkstatt signalisiert dieses Prädikat den besonders zuverlässigen Kfz-Teile-Hersteller. Denn natürlich müssen besondere Qualitäts- und Leistungskriterien erfüllt werden, um den IPAS-Status zu bekommen.
MAHLE Aftermarket news: Die Wurzeln der Zusammenarbeit mit MAHLE reichen ja bis weit in die 70er-Jahre zurück …
Roland Dilmetz: Entsprechend intensiv und konstruktiv ist der Dialog. So haben wir MAHLE auch in der Vergangenheit regelmäßig bei zu lösenden Problemen im beiderseitigen Interesse unterstützt. Insofern sind wir und unsere Kunden mit MAHLE sehr zufrieden.
MAHLE Aftermarket news: Die ATR fungiert also als Mittler im Markt – zwischen Kfz-Hersteller und Werkstatt. Wie profitiert die Werkstatt davon?
Roland Dilmetz: In Deutschland bieten wir innerhalb unserer 3 Werkstatt- und Fachhandelskonzepte ca. 50 unterschiedliche Leistungsbausteine – bis hin zur Werkstattausstattung oder zum Neubau der Geschäftsräume. Auch in anderen europäischen Ländern sowie im außereuropäischen Ausland sind wir entsprechend aktiv. Wenn unsere dortigen Kooperationspartner bereits Werkstattsysteme betreiben, unterstützen wir diese beim Ausbau. Schließlich verändert sich der Markt permanent – und wir alle uns mit ihm.
MAHLE Aftermarket news: Ein europaweit branchenprägendes Thema ist auch die Neugestaltung der GVO …
Roland Dilmetz: Die Verabschiedung der Vertikal- bzw. „Schirm“- GVO durch die EU-Kommission am 20.04.2010 ist ein wichtiger Schritt – sowohl zum Nutzen des Autofahrers als auch zur Zukunftssicherung des freien Wartungs- und Reparaturmarktes. Hier wird es künftig auch eine aftermarketspezifische Regelung geben, die sogenannte „Aftermarket-GVO“. In die gleiche Richtung zielt das ATR-Engagement im Rahmen der „Right to Repair“-Kampagne, die ja auch von MAHLE unterstützt wird. Allerdings beobachten wir zum Thema freie Werkstattwahl ein enormes Informationsdefizit beim Autofahrer. Die meisten wissen nicht, dass sie ihr Fahrzeug sehr wohl schon während der Garantiezeit in einer freien Werkstatt warten lassen können.
MAHLE Aftermarket news: Die ATR hat sich also von der reinen Einkaufskooperation längst zum streitbaren Komplettdienstleister für den freien Wartungs- und Reparaturmarkt entwickelt …
Roland Dilmetz: Werkstatt und Fachhandel brauchen neben qualitativ einwandfreier Ware zur richtigen Zeit am richtigen Ort vor allem eines: Informationen. Daher ist eine unserer vorrangigen Aufgaben die Sicherung des Informationsflusses vom Hersteller zur Werkstatt. Aber um in einem sich permanent verändernden Markt nicht nur zu überleben, sondern dauerhaft erfolgreich zu sein, muss die Werkstatt nicht nur professionell geschult sein und arbeiten, sondern sich auch so präsentieren – durch Signalisation, Berufskleidung, Marketing und vieles mehr.
MAHLE Aftermarket news: Kann es sich eine Werkstatt erlauben, heutzutage nicht in ein Werkstattkonzept eingebunden zu sein?
Roland Dilmetz: Es gibt sicher gute Werkstätten, die auch ohne Werkstattsystem sehr erfolgreich sind. Die Anstrengungen, die solche Betriebe unternehmen, sind jedoch immens. Schließlich müssen sie sich all das, was eine Kooperation an Bausteinen bietet, individuell erarbeiten – das bedeutet aber auch einen finanziell wesentlich höheren Aufwand.
MAHLE Aftermarket news: Herr Dilmetz, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen, der ATR und Ihren Kunden weiterhin viel Erfolg.
Die ATR International bietet ihren Werkstatt- und Fachhandelskunden Zugang zu unterschiedlichen Konzepten, die durch Einzelbausteine passgenau auf die Bedürfnisse zugeschnitten werden können – in Deutschland beispielsweise das Werkstattsystem AC Auto Check.