MAHLE positioniert sich für die Zukunft

Stuttgart, 26. April 2017 – Der MAHLE Konzern hat im Geschäftsjahr 2016 seinen Umsatz auf rund 12,3 Milliarden Euro gesteigert. Das entspricht einem Plus von über sieben Prozent. „Die Umsetzung unserer dualen Strategie zur parallelen Entwicklung von Produkten rund um den Verbrennungsmotor und von Erzeugnissen für die Elektromobilität hat unser Geschäftsjahr 2016 stark geprägt“, erklärte Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender der MAHLE Konzern-Geschäftsführung, während der Bilanz-Pressekonferenz in Stuttgart.

  • Umsatz 2016 auf 12,3 Milliarden Euro gestiegen
  • Organisches Wachstum deutlich gesteigert
  • Geschäftsjahr 2016 von strategischer Weichenstellung geprägt

Zum kräftigen Umsatzplus 2016 trugen Veränderungen des Konsolidierungskreises in Höhe von 529 Millionen Euro bei. „Denn die Umsätze der zum 30. Juni 2015 vollzogenen Akquisitionen von Delphi Thermal und Kokusan Denki – heute MAHLE Electric Drives Japan – sind in der Berichtsperiode erstmals ganzjährig ausgewiesen“, erläuterte Michael Frick, in der MAHLE Geschäftsführung zuständig für Finanzen. Negative Auswirkungen in Höhe von 104 Millionen Euro hatten Wechselkurseffekte.

Auch ohne Akquisitions- und Wechselkurseffekte legte der Konzern mit 3,4 Prozent deutlich zu und konnte die Wachstumsraten der vergangen Jahre damit übertreffen. Die EBIT-Quote liegt bei 3,8 Prozent, das entspricht einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 473 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug 63 Millionen Euro. Zurückzuführen ist der große Unterschied zwischen EBIT und Jahresüberschuss im Wesentlichen auf Sondereffekte. So sind im Finanzergebnis Effekte aus der Einleitung des Verkaufs des Gemeinschaftsunternehmens Bosch Mahle Turbo Systems (BMTS) enthalten. Zudem haben sich aus den Neuerwerbungen der Vorjahre planmäßige Abschreibungen ergeben, die das Ergebnis belasten.

Strategische Aufstellung prägte 2016

Vor allem aber hatten Investitionen in die Zukunft, also in den Ausbau bestehender und den Aufbau neuer Geschäftsfelder, Auswirkungen auf das Ergebnis. „Deutlich gesteigert haben wir unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung, um neue Produktsegmente für MAHLE zu erschließen“, sagte Scheider. Die F&E-Aufwendungen betrugen 2016 rund 750 Millionen Euro; das entspricht einer Steigerung um rund 100 Millionen Euro (+14,7 %) zum Vorjahr und einer neuen Rekordquote von 6,1 Prozent. Die Mitarbeiteranzahl in Forschung und Entwicklung hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt; heute sind es 6.000. „Auch 2017 werden wir diese Investitionen erneut steigern“, ergänzte Scheider.

Auch die in den Vorjahren getätigten strategischen Investitionen im Rahmen von Unternehmenszukäufen belasteten aufgrund von planmäßigen Abschreibungen das Ergebnis. Hintergrund ist, dass im Zuge der Akquisitionen stille Reserven pflichtgemäß aufgedeckt wurden und ein Goodwill entstanden ist. Die Regelabschreibungen hierauf hatten im Berichtsjahr eine ergebnisreduzierende Wirkung im dreistelligen Millionenbereich, was die Marge um über einen Prozentpunkt reduzierte. Bereinigt lag das EBIT bei fünf Prozent.

Starkes erstes Quartal 2017

Die bisherigen Marktprognosen für 2017 sind gut und das erste Quartal hat die Erwartungen von MAHLE übertroffen. Treiber der guten Entwicklung sind eine positive Entwicklung in Europa, Asien und Nordamerika. In Südamerika ist eine gewisse Erholung zu beobachten, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die erwartete Stagnation in China ist bisher ausgeblieben. Hier hat die verringerte Förderung von Fahrzeugen bis zu 1,6 Litern Hubraum für Vorzieheffekte gesorgt. Weiter dynamisch ist auch die Entwicklung in Indien.

„Dennoch sind wir mit Prognosen für 2017 zurückhaltend, denn die politischen Unsicherheiten sind so groß wie schon lange nicht mehr“, beschrieb Scheider die derzeitige Lage. Sorge bereiten insbesondere die Tendenzen zu Handelsschranken und Protektionismus. Angesichts dieser Ausgangslage zeigt sich, wie wichtig eine ausgewogene Präsenz in den Weltregionen ist. MAHLE setzt daher seinen Kurs fort, den Umsatz auf die Kernmärkte Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien/Pazifik gleichmäßig zu verteilen. Eine Maßnahme wird dabei sein, die Präsenz in Asien weiter auszubauen. Im Mai 2017 wird ein neues Werk für Klimakompressoren in China eröffnet – auch, weil diese Region weiterhin die größten Wachstumschancen bietet.

Mit einem parallelen Vorgehen in die Zukunft

Der konsequente Weg, sowohl den Verbrennungsmotor weiterzuentwickeln, als auch Lösungen für die Elektromobilität zu erarbeiten, ist ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Senkung der CO2-Emissionen. In beiden Feldern ist MAHLE Technologietreiber.

MAHLE schöpft Potenziale des Verbrennungsmotors weiter aus

Der Verbrennungsmotor bietet noch ein deutliches Optimierungspotenzial, das MAHLE nutzen wird, auch, um über die große Zahl der Fahrzeuge mit dieser Antriebstechnik die CO2-Ziele zu erreichen. Denn allein über das MAHLE Portfolio ist eine weitere Reduzierung der CO2-Emissionen um circa zehn Prozent erreichbar. Diese Zahl bezieht sich auf den neuen Messzyklus WLTC (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Cycle).

Unter anderem ist die weitere Optimierung der Motormechanik ein Ansatzpunkt von MAHLE. Im Mittelpunkt steht dabei die Reibleistungsreduzierung. Dieser Ansatz greift unabhängig von Zyklen und Normen auch im realen Fahrbetrieb. Dazu entwickelt MAHLE extrem belastbare und zugleich gewichtsoptimierte Motorkomponenten, die im Systemverbund ideal aufeinander abgestimmt sind und für höchste Effizienz sorgen. Zum Beispiel bewirkt die jüngste Generation von MAHLE Leichtbaukolben im Verbund mit reibungsoptimiertem Kolbenringpaket eine CO2-Reduzierung von mehr als zwei Prozent. Zugleich ermöglichen MAHLE Motorkomponenten den Einsatz niedrig viskoser Motoröle, die den Reibwiderstand zusätzlich senken und den Schmierölbedarf reduzieren. Das ist eine spürbare Entlastung für das Öl-System, die sich in Verbrauchsvorteilen niederschlägt. In Summe wird mit der Kombination aus niederviskosen Ölen und MAHLE Lösungen zur Reibungsminderung an den Motorkomponenten sowie einen optimierten Ölkreislauf ein um bis zu fünf Prozent niedrigerer CO2-Ausstoß bei Ottomotoren möglich.

Weitere Maßnahmen von MAHLE zur Weiterentwicklung des verbrennungsmotorischen Antriebsstrangs sind beispielsweise Innovationen im Luftpfad, mit denen bis zu drei Prozent CO2 eingespart werden können, sowie intelligentes Thermomanagement, das nochmals rund zwei Prozent bewirken kann – jeweils bezogen auf den Ottomotor.

Alternative Kraftstoffe ermöglichen CO2-neutralen Verbrennungsmotor

MAHLE setzt sich für die Entwicklung und den Einsatz von alternativen Kraftstoffen ein. Sie können bereits kurzfristig ein erhebliches Potenzial zur CO2-Reduzierung erzielen. 2016 hat das Unternehmen einen CNG-Motor entwickelt und in einem Demonstrator-Fahrzeug verbaut. Dieser monovalent ausgelegter CNG-Motor hat ein Einsparpotenzial von über 25 Prozent CO2 (WLTC) gegenüber einem leistungsgleichen Ottomotor nachgewiesen. Damit besteht bereits heute ein Hebel zur CO2-Minderung, der serienreif entwickelt ist und unmittelbar im Fahrzeugbestand greifen kann. „Die Bundesregierung sieht den Vorteil von Erdgas ebenso und hat darum im Februar die steuerliche Begünstigung bis ins Jahr 2026 ausgedehnt“, erklärte Scheider während der Pressekonferenz.

Weitere Verbesserungen sind erreichbar, wenn alternative Kraftstoffe zu konventionellen Kraftstoffen beigemischt werden. Denkbar ist eine flächendeckende Anhebung von E10 auf E20. Dies würde bei synthetischer Erzeugung durch regenerativen Strom bis zu zehn Prozent CO2 bei Ottomotoren sparen. Technisch wäre eine entsprechende Auslegung der Motoren bereits heute machbar. Langfristig ermöglichen synthetische Kraftstoffe sogar eine CO2-neutrale Individualmobilität auch mit dem Verbrennungsmotor, denn sie binden bei der Herstellung ebenso viel CO2, wie sie später bei der Verbrennung emittieren. MAHLE setzt sich daher in Industrie und Politik dafür ein, alternative Kraftstoffe, also synthetisch hergestellte Kraftstoffe, Ethanol und CNG, kräftig zu fördern. Alternative Kraftstoffe sind der schnellste Weg zur CO2-Reduzierung im Transportsektor.

MAHLE ist Innovationstreiber in der Elektromobilität

Die Elektromobilität ist langfristig der Schlüsselbaustein für einen CO2-neutralen Individualverkehr. MAHLE gehört auch in diesem Feld zu den Innovationstreibern. Bis die Elektromobilität jedoch zu einem Massenprodukt wird, müssen noch viele Themen abgearbeitet werden. Dazu zählen infrastrukturelle Maßnahmen und Lösungen – insbesondere die Verfügbarkeit von Schnellladestationen. Zudem ist die Stromerzeugung für die CO2-Bilanz von Elektrofahrzeugen ein zentraler Aspekt. Erst wenn Strom zu großen Teilen CO2-neutral gewonnen wird, zahlt die Elektromobilität über die lokale Emissionsfreiheit hinaus nachhaltig in die Klimaziele ein.

MAHLE zielt mit zwei Hauptthemen auf die Verbesserung der Elektrofahrzeuge ab, um sie mittelfristig wettbewerbsfähig und attraktiv für den Endkunden zu machen:

  • Zum einen mit dem Thema Thermomanagement: Es umfasst einerseits die Innenraumklimatisierung, die unmittelbaren Einfluss auf die Reichweite nimmt, und andererseits die Temperierung von sensiblen Komponenten, wie Batterie, Antriebsmotor und Leistungselektronik.
  • Zum anderen mit dem Thema elektrischer Antriebsstrang und elektrische Nebenaggregate

Thermomanagement als Wegbereiter der Elektromobilität

Beim Elektrofahrzeug ist das Optimieren von Wärme- und Kälteströmen die Grundlage für Leistungsfähigkeit, Reichweite und Lebensdauer. Ein ganzheitliches und intelligentes Thermomanagement ist daher eine Grundvoraussetzung für die Etablierung der Elektromobilität. MAHLE hat bereits zahlreiche Innovationen zur thermischen Konditionierung von Batterien in Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden entwickelt, die zwischenzeitlich in Serie gefertigt werden. 2016 hat MAHLE von Kunden aus allen Teilen der Welt hierzu Aufträge erhalten. Die Anforderungen an das Batteriethermomanagement werden sich mit leistungsfähigeren Batterien oder auch durch Schnellladefunktionen weiter deutlich erhöhen. Hinzu kommt, dass der Antriebsmotor und die Leistungselektronik von Elektrofahrzeugen ebenfalls gekühlt und in ein ganzheitliches Thermomanagement integriert werden müssen. Auch hier zahlt sich die Expertise von MAHLE aus.

Elektrische Antriebslösungen von MAHLE weltweit gefragt

Im Feld elektrischer Antriebsstrang und elektrische Nebenaggregate entwickelt MAHLE hocheffiziente Antriebssysteme, Leistungselektronik und elektrische Nebenaggregate. Lösungen für jede Art von Fahrzeugen: vom E-Scooter über Arbeitsmaschinen und Nutzfahrzeuge bis hin zu Pkw. Hier konnte der Konzern 2016 eine Reihe von Aufträgen gewinnen. MAHLE wird mehrere Hersteller von batterieelektrischen Fahrzeugen – darunter völlig neue Fahrzeughersteller – mit neuen Kühlsystemen, elektrischen Kompressoren und E-Maschinen bereits ab 2017 beliefern. 2018 gehen zudem komplette MAHLE Antriebseinheiten für Pedelecs in die Serienfertigung. Auch hierzu hat das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten neue Kunden gewonnen. Damit deckt MAHLE das gesamte Spektrum der Elektromobilität ab.

MAHLE baut gesamtsystemische Kompetenz für Elektromobilität aus

„Strategisch sind wir unserem Ziel, die gesamtsystemische Kompetenz bei Elektrifizierung und Elektromobilität im Unternehmen zu haben, einen großen Schritt näher gekommen“, fasste Scheider die technologiestrategischen Aktivitäten des Geschäftsjahrs zusammen. Mit der Übernahme von Nagares 2017 erschließt sich der Konzern weitere Kompetenz beispielsweise in der Leistungselektronik und bei Steuergeräten. Das Unternehmen ist am Markt unter anderem mit Spannungswandlern, Komponenten der Ladeelektronik, Batterie-Managementsystemen sowie Regelsystemen für Thermomanagementlösungen vertreten. Nagares hat zudem viel Erfahrung in der Entwicklung für Elektrofahrzeuge und verfügt über ein kompetentes Entwicklungszentrum in Valencia. Diesen Standort wird MAHLE ausbauen, da eine Vielzahl qualifizierter Ingenieure vor Ort ist. Nagares pflegt beste Beziehungen zu den beiden ansässigen Hochschulen und hat mit der Universität in Valencia (Universidad Politecnica de Valencia) einen gemeinsamen Lehrstuhl aufgebaut und mehrere Kooperationsprojekte für Forschung und Vorausentwicklung etabliert.

 

Geschäftsbericht

So war unser Jahr 2016