Vorab-Presseinformation - 08.02.2001

Vorab-Presseinformation
zum Geschäftsjahr 2000 des MAHLE Konzerns


1. Entwicklungstrends

Die strategische Weiterentwicklung des MAHLE Konzerns zu einem der TOP 50 System- und Modullieferanten der globalen Automobil- und Motorenindustrie wurde auch im Jahr 2000 erfolgreich fortgesetzt.

Der Unternehmensbereich Kolben und Motorkomponenten startete im zweiten Halbjahr mit einem problemlosen Serienanlauf seines neuen auf Wachstum ausgerichteten Kolbenwerkes in Polen. In Mexiko und in Portugal wurden weitere Standorte zur Lagerschalenproduktion vorbereitet, in Nanjing wurden zum Jahresende 2000 die Arbeiten zum ersten 100%igen MAHLE eigenen Kolbenwerk in China fertiggestellt.

Das Presswerk für Schmiedekolben für Hochleistungsmotoren wurde im Zusammenhang mit einer deutlich gesteigerten Produktionskapazität vom Stammwerk Bad Cannstatt nach Rottweil verlagert. Ebenfalls vor Jahresfrist erhöhte MAHLE seine Anteile an der österreichischen König KG Ges.m.b.H. & Co. auf 50 %. Unter der strategisch unternehmerischen Führung von MAHLE wird dieser Standort mittel- und langfristig als Kompetenzzentrum für Nicht-Automotive-Kolben- und Zylinder-Assemblies in den MAHLE Produktionsverband eingegliedert.

Zur Jahresmitte 2000 nahm der Unternehmensbereich Filtersysteme ein neues hochmodernes Werk zur Fertigung von Flüssigkeits- und Luftfiltern in Brasilien in Betrieb. Zudem übernahm zum 1.7.2000 der Filterbereich die US-amerikanische Firma Parr Inc., eingeführter OE-Lieferant für Flüssigkeitsfilter- und Regler, mit zwei Produktionsstandorten in den USA.

Der Bereich Ventiltriebsysteme erwarb im Jahr 2000 ein modernes Werksgelände in der Nähe von Sigmaringen, mit dem Ziel dort ab dem Jahr 2001 die stark wachsende Produktion von gebauten Nockenwellen für den europäischen Markt zu konzentrieren und auszubauen.


2. Systementwicklung im MAHLE Konzern

Um dem weiter zunehmenden Trend der System- und Modullieferung im Automobil- und Motorenbau gerecht zu werden, ist die MAHLE GmbH im Januar 2001 eine Allianz mit dem weltweit führenden Schmiedepleuel-Produzenten Brockhaus Soehne mit Werken in Deutschland, Spanien und Kanada eingegangen. MAHLE erwarb in einem ersten Schritt eine Minderheitsbeteiligung von 25,1 %. Die Hauptprodukte beider Firmen, Kolben und Pleuel für alle Arten von Verbrennungsmotoren, werden in zunehmendem Umfang als vormontierte Kolben-Pleuel-Assemblies entwickelt, produziert und als einbaufertige Module geliefert.

Nachdem MAHLE in Nord- und Südamerika bereits Produktionsstandorte für die Pleuelbearbeitung und die anschließende Kolben-Pleuel-Montage etabliert hat, werden zur Zeit für die europäische Fertigung unterschiedliche Standortrandbedingungen untersucht.


3. Investitionen in Deutschland

Neben dem intensiven Ausbau der MAHLE Auslandsaktivitäten im Rahmen der allgemeinen Globalisierungsstrategie wird MAHLE auch in der Zukunft dem Investitionsstandort Deutschland eine wesentliche Bedeutung beimessen.

Diese Bedeutung wird neben den allgemeinen Erweiterungs- bzw. Rationalisierungsinvestitionen an den bestehenden Standorten durch drei Neuprojekte deutlich hervorgehoben.

a) Neues Werk zur Nockenwellenproduktion in Leibertingen

Die seit Jahren vorangetriebene MAHLE Entwicklung einer gebauten Nockenwelle mit Sinternocken hat im vergangenen Jahr den Marktdurchbruch geschafft. Großaufträge verschiedener Pkw-Motorenhersteller, die zu zukünftigen Stückzahlen von mehreren Millionen gebauter Nockenwellen pro Jahr führen, machen eine deutliche Steigerung der bisher installierten Produktionskapazitäten erforderlich.

MAHLE hat sich deshalb entschlossen, hierfür einen focussierten neuen Produktionsstandort aufzubauen und ein modernes Werksgelände in Leibertingen (bei Sigmaringen) erworben.

Die mittelfristigen Investitionen für die bisher in der Planung befindlichen Produktionsmengen liegen bei hohen zweistelligen Millionenbeträgen.

b) Neues Werk zur Produktion von Motorsportkomponenten in Fellbach

Die lange Tradition von MAHLE im Motorsport hat auch im Jahr 2000 seine erfolgreiche Fortsetzung gefunden. Höhepunkt des Jahres waren die Formel-1-WM mit Ferrari und der 3-fach Sieg beim 24h Rennen von Le Mans mit AUDI, bei denen jeweils MAHLE Kolben und Zylinder zum Einsatz kamen.

Aufgrund der großen Nachfrage nach solchen MAHLE High-Tech-Motorkomponenten haben wir uns entschlossen, diese bisher am Standort der Prototypen-Fertigung produzierten Teile in einem separaten, spezialisierten Werk in Fellbach zu konzentrieren. Der Bezug des Werkes und die Installation der ersten Fertigungseinrichtungen wird im Laufe des Jahres 2001 vorgenommen. Auch Entwicklung, Vertrieb und andere Fachfunktionen des Bereichs Motorsport werden sukzessive am neuen Standort in Fellbach konzentriert.

c) Neue MAHLE Hauptverwaltung in Bad Cannstatt

Bereits gegen Jahresende 2000 wurde mit den Bauvorbereitungen für eine neue Konzernhauptverwaltung in Stuttgart-Bad Cannstatt begonnen. Dieses Vorhaben setzt zum einen ein deutliches Zeichen für unseren Firmenstammsitz – es schafft zum anderen aber auch Raum für wesentliche Erweiterungen unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Stuttgart.

Die umfangreiche Verlagerung von Konstruktions- und Entwicklungsverantwortung vom Automobilhersteller zum Systemlieferanten macht diesen Schritt dringend erforderlich.


4. Geschäftsverlauf 2000

Umsatz

Auch im Jahre 2000 wurde die Weltwirtschaft wieder durch eine anhaltend positive Entwicklung geprägt. Alle Weltregionen verzeichneten ein Wirtschaftswachstum. So erhöhte sich das globale Bruttoinlandsprodukt um 4,8 % gegenüber dem Vorjahr (1999: 3,6 %). Ein wesentlicher Motor für diese Entwicklung war auch im vergangenen Jahr wiederum die globale Automobilindustrie.

Für den MAHLE Konzern entwickelte sich ebenso das Geschäftsjahr 2000 in allen Unternehmensbereichen positiv. Im Vergleich zum Konzernumsatz 1999 von knapp 2,1 Mrd. Euro ergab sich für das Jahr 2000 ein Umsatzanstieg auf über 2,4 Mrd. Euro, entsprechend einer Wachstumsrate von über 16 %.

Wesentliche Gründe hierfür liegen in der insgesamt gesteigerten Automobilproduktion, der Zunahme von Systemlieferungen in allen Unternehmensbereichen und im Marktzuwachs von Hochleistungs-Dieselmotoren. In begrenztem Umfang haben Akquisitionen zum Umsatzwachstum beigetragen und somit auch zu einem unterjährig veränderten Konsolidierungskreis geführt.

Ein weiterer wesentlicher Faktor der Umsatzsteigerung ist auch die Wechselkursentwicklung. Sie führte durch den relativ hohen Umsatz des MAHLE Konzerns in Nord- und Südamerika zu einer positiven Beeinflussung des in Euro ausgewiesenen Konzernumsatzes.

Vor allem gut ausgelastete Kapazitäten in Nord- und Südamerika ermöglichten dem Unternehmensbereich Kolben- und Motorkomponenten erhebliche Umsatzzuwächse. Die Kolbenlieferung an die großen amerikanischen Automobilhersteller und die Lieferungen technologisch anspruchsvoller Kolben für Hochleistungsmotoren für Nutzfahrzeuge konnten aufgrund der technologischen Spitzenleistung von MAHLE kräftig ausgeweitet werden. Bei dem für MAHLE noch jungen Segment der Inhouse produzierten Kolbenringe konnten deutliche Marktanteilsgewinne, insbesondere in Europa verzeichnet werden. Neben der Steigerung des OE-Geschäfts gelang in Südamerika eine überdurchschnittliche Steigerung des Aftermarket-Umsatzes als Folge einer erfolgreichen Marktbearbeitung. Die Umsätze der europäischen Gesellschaften konnten, ausgehend vom hohen Vorjahresniveau, über den Rahmen der Entwicklung der regionalen Automobilproduktion hinaus gesteigert werden. In Polen wurde gegen Ende des Jahres 2000 eine neue Kolbenfabrik in Betrieb genommen. Sie dient primär der Bedarfsdeckung der Motorenwerke in Mittel- und Osteuropa als auch dem Aftermarket-Geschäft für die gesamte Region.

Wie in den Vorjahren so auch im Jahr 2000 war der Unternehmensbereich Filtersysteme überdurchschnittlich erfolgreich, und dies nicht nur im konzerninternen, sondern auch im konzernexternen Vergleich. Durch die Weiterentwicklung bestehender Filtertypen in der Kraftstoff- und Ölfiltration, aber vor allem durch das starke Wachstum bei den Luftversorgungssystemen und Saugmodulen wurde erstmalig eine Umsatzschwelle von 500 Mio. Euro deutlich überschritten.

Der Umsatzzuwachs im Unternehmensbereich Ventiltriebsysteme resultiert vor allem aus gesteigerten Lieferungen für Systeme im Bereich der Ventilbetätigungen und aus einem Anstieg der Aftermarket-Umsätze bedingt durch die erstmalige ganzjährige Konsolidierung des polnischen Produktionsstandortes MAHLE Krotoszyn S.A.

MAHLE Aftermarket hat im Geschäftsjahr 2000 die Umsatzerlöse nominal um 12 % gesteigert. Die bisher räumlich und organisatorisch getrennt voneinander operierenden Vertriebsorganisationen der drei Unternehmensbereiche des MAHLE Konzerns im Bereich Kfz-Teilemarkt wurden zum MAHLE Aftermarket zusammengefasst.

Mit neu geschaffenen, regional ausgerichteten Vertriebsstrukturen wird jetzt das komplette Ersatzteileprogramm der MAHLE Gruppe vertrieben, wobei die jeweils vorhandenen Vertriebskanäle der einzelnen Unternehmensbereiche genutzt werden. Mit neu gegründeten Vertriebsgesellschaften in Skandinavien, Holland und Singapur wird die europäische und südostasiatische Marktposition verstärkt.

Forschung und Entwicklung

Zur strategischen Zielsetzung des MAHLE Konzerns gehört der Ausbau der technologischen Spitzenleistung sowie der Systemkompetenz.

Dadurch behauptet sich die MAHLE Gruppe als starker Partner für Neuentwicklungen in der Motorentechnik. Die weltweit etablierten vier Forschungs- und Entwicklungszentren in Stuttgart, Detroit, São Paulo und Tokio wurden konsequent weiter ausgebaut, der Personaleinsatz überdurchschnittlich erhöht. Die Koordination der Entwicklungskapazitäten in den verschiedenen Unternehmensbereichen und in den verschiedenen Kontinenten wurde unter Einsatz modernster Kommunikationstechniken vorangetrieben.

Im Jahr 2000 konnte MAHLE seine technologische Spitzenleistung am Weltmarkt durch eine Fülle von Produktinnovationen für den Verbrennungsmotor eindrucksvoll demonstrieren: Kolben mit gekühltem Ringträger, Monotherm- und Ferrocomp-Kolben, gebaute Nockenwellen mit endkonturfertigen Sinternocken sowie intelligente Luftversorgungssysteme sind nur einige Beispiele dafür.

Finanz- und Ertragslage

Die Entwicklung des operativen Ergebnisses des MAHLE Konzerns stellt sich im Berichtsjahr 2000 in den verschiedenen Unternehmensbereichen und den unterschiedlichen Weltregionen insgesamt zufriedenstellend dar. Die in Nord- und Südamerika ansässigen Gesellschaften lieferten wie im Vorjahr überproportionale Ergebnisbeiträge zum Gesamtergebnis, auch wenn in Nordamerika aufgrund des großen Preisdrucks, der nur teilweise durch Rationalisierungen aufgefangen werden konnte, ein leichter Ergebnisrückgang zu verzeichnen war. Zufriedenstellende Ergebnisse erzielten die Gesellschaften in Österreich, Italien und Spanien. An der Verbesserung der unbefriedigenden Ergebnislage wichtiger Gesellschaften in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich wurde im Berichtsjahr intensiv gearbeitet. Insgesamt werden die Bemühungen um deutliche Effizienzsteigerungen in allen Produktbereichen durch gezielte Rationalisierungmaßnahmen weiterhin energisch fortgesetzt werden müssen, um den weiterhin steigenden Preisdruck der Kunden bei gleichzeitigen Materialkostensteigerungen zu kompensieren und um eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleichmaßstab zu erreichen.

Investitionen

Die Sachanlageninvestition des MAHLE Konzerns wurden gegenüber dem Vorjahr noch einmal gesteigert. Dabei wurden annähernd gleichermaßen alle drei Unternehmensbereiche entsprechend ihres Kapitalbedarfs versorgt. Schwerpunkte der in Deutschland getätigten Investitionen waren die Rationalisierung bestehender Verfahren und Prozesse, der Aufbau neuer Fertigungsverfahren sowie Vorbereitungen für neue Produktionsstandorte.

Mitarbeiter

Die Beschäftigtenzahl im MAHLE Konzern stieg zum Bilanzstichtag von 24.646 im Vorjahr auf 25.854 Mitarbeiter im Jahr 2000. Grund dieser Steigerung ist vor allem das externe Wachstum des MAHLE Konzerns. Ohne erstkonsolidierte Gesellschaften beträgt der Anstieg 2,8 % und ist mit dem bereinigten Umsatzwachstum von 8,5 % zu vergleichen. Im reinen Jahresvergleich konnte damit konzernweit eine deutliche Produktivitätssteigerung erzielt werden.

5. Ausblick

Die Prognosen für die globale Wirtschaftsentwicklung des Jahres 2001 sind in den vergangenen Monaten für die wesentlichen Regionen Europa und Nordamerika nach unten korrigiert worden. Dies gilt insbesondere für die Automobilindustrie Nordamerikas, die im ersten Halbjahr einen deutlichen Produktionsrückgang erwartet. Falls es durch volkswirtschaftliche Maßnahmen nicht gelingt den Rückgang in Nordamerika zu bremsen, können auch negative Rückwirkungen auf die Automobilentwicklung in Europa und Asien nicht ausgeschlossen werden.

Aufgrund der problematischen Rahmenbedingungen plant der MAHLE Konzern für 2001 im vorhandenen Konsolidierungskreis deshalb nur eine verhaltene Umsatzentwicklung, die allerdings durch die gute Marktposition bei neuen Motorgenerationen und sich bietenden Akquisitionsmöglichkeiten gestützt wird. Hierbei wird weiterhin auf eine Abrundung der globalen Präsenz aller Unternehmensbereiche geachtet, wie auch die Weiterentwicklung des Produktportfolios im Hinblick auf zukünftige System- und Modullieferungen gestärkt.

Die Stabilisation der Ergebnissituation wird eine wesentliche Rolle dabei spielen, inwieweit ehrgeizige neue Investitionsprojekte realisiert werden können.


Stuttgart, den 08. Februar 2001