Vom Post-it zum Prototypen

MAHLE Corporate Start-up-Teams bringen erste Innovationen auf die Straße

Lösungen, an die man schlichtweg glaubt. Das ist der erste Schritt, um eine Idee voranzutreiben. Noch weiter geht es, wenn man dies gemeinsam macht. Im vergangenen Jahr startete MAHLE das Innovationsprogramm „Incubator“ und forderte alle Mitarbeiter deutschlandweit dazu auf, ihre Ideen einzureichen. Ideen, die ihnen beim Gespräch in der Kantine kamen, nach Feierabend unterwegs im Auto oder direkt an der Produktionslinie. Ideen, die eines gemeinsam haben: den Wunsch, etwas besser zu machen. Zwei Teams konnten sowohl die interne Jury als auch erste Kunden für ihre Lösungen begeistern, darunter chargeBIG, das nun mit dem German Innovation Award 2020 ausgezeichnet wurde. Die Lösung beweist, dass Innovationen von MAHLE nicht nur bei unseren Kunden greifen, sondern alle Menschen erreichen.

Von einem Perspektivwechsel ...

Stuttgart, Bad Cannstatt. Mittendrin am Hauptsitz von MAHLE. „Wir machen keine andere Arbeit mehr, wir sind nur noch chargeBIG“, beginnt Dr. Walter ­Krepulat das Gespräch auf Nachfrage, ob sie gerade von der eigentlichen Arbeit kommen oder von ihrem Incubator-Projekt. Vollzeit für chargeBIG. Das beschreibt sehr gut die Dimension ihrer Idee. Aber noch einmal von vorne.

Alle wollen immer höher, schneller, weiter. Und wir kommen jetzt und sagen, das brauchst du gar nicht.
SEBASTIAN EWERT
Team chargeBIG

Frei übersetzt bedeutet chargeBIG „Laden im großen Stil“. Damit geht es um einen der wichtigsten Aspekte der Elektromobilität. Obwohl immer mehr batteriebetriebene Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, bleibt eine Frage offen: Wie werden wir all diese Elektrofahrzeuge laden? Vom einzelnen Ladepunkt bis zur flächendeckenden Netzinfrastruktur gibt chargeBIG nun die Antwort. Ein intelligentes Ladesystem, das nutzerfreundlich und flächen­deckend umsetzbar ist. Sebastian Ewert stellt dafür eine entscheidende Rechnung auf. „Im Durchschnitt fährt ein Auto pro Tag nur 40 Kilometer. Das heißt, rund 23 Stunden bewegt es sich nicht. Zum Laden habe ich also alle Zeit der Welt!“ Mit diesem genialen Per­spektivwechsel ist der Weg frei für das intelligente Laden. „Es muss nicht mehr so schnell wie möglich, sondern nur so schnell wie nötig geladen werden.“ Als dieser Satz fällt, tritt Ruhe im Raum ein. Das Team lächelt. In diesen wenigen Worten steckt das, was chargeBIG einmalig macht: die einfache und kostengünstige Anbindung an das bereits existierende Stromnetz.

... zum Wegbereiter der E-Mobilität

Draußen auf dem Parkplatz von MAHLE. Die Idee hat längst die vielen Post-its verlassen. „Das ist der Ladeschrank“, erklärt Nicole Heinrich und deutet auf den Schaltschrank neben ihr. „Verteiler, Sicherungen, Relais, Elektroniksteuerung, Kommunikation und Sicherheit verbergen sich allesamt hinter einer großen Tür.“ – „Genau so, wie es die Elektriker gewohnt sind. Unser Ladeschrank ist damit einfach anzuschließen und genauso einfach zu warten“, fügt Sebastian Ewert hinzu. Ein Ladeschrank und sehr, sehr viele Parkplätze mit Ladestecker. Jeden Parkplatz in Zukunft mit einem Stecker auszustatten, das ist die Vision von chargeBIG. Der Weg dahin führt über eine intelligente Software, die dem Team einiges an Schweiß abverlangt hat. Sie erinnern sich mit viel Humor, denn „Jetzt funktioniert es!“ Wie genau, das verrät das Team nicht. Immer im Blickfeld: Kabel und Stecker, die außen an den Ladesäulen befestigt werden. „Damit muss der Fahrer das Kabel nicht mehr mitführen.“ Sebastian Ewert weiß genau, wovon er spricht. Als Fahrer eines Elektroautos hat er selbst manch umständliches Kabelaufrollen und Verstauen im Kofferraum hinter sich.

Für den Prototyp wirkten bis heute 60 bis 70 Kollegen mit. „Ja klar!“, „Gerne!“, „Kein Problem!“, hieß es aus den verschiedensten Abteilungen auf die Frage, ob sie das Team unterstützen können. Oder auch: „Darf ich euch helfen?“ Das ist gelebte Team-Arbeit. Auch von Max Gerstadt, der jüngst dazugestoßen ist und eine wichtige Komponente für chargeBIG entwickelt hat – als Teil seiner Bachelorarbeit.

Wir geben viel und bekommen viel zurück. Das ist eine der besten Erfahrungen.

NICOLE HEINRICH, chargeBIG team
alt

CHARGEBIG TEAM

Sebastian Ewert, Max Gerstadt, Nicole Heinrich, and Dr. Walter Krepulat (von links nach rechts)

chargeBIG STRUKTUR

LADEN FÜR ALLE!

chargeBIG ist eine Ladeinfrastruktur, die auf die bestehende Netzanbindung baut und sie maximal ausnutzt. Ein System, bestehend aus einem Ladeschrank, versorgt dabei bis zu 36 Ladepunkte, an die entsprechend viele Elektro­autos angeschlossen werden können. Das intelligente System steuert das Laden optimal und verhindert eine Überlastung des bestehenden Netzes, indem der zur Verfügung stehende Strom ideal verteilt wird.

Laden so schnell wie nötig ist besser als laden so schnell wie möglich
DR. WALTER KREPULAT
Team chargeBIG
Bei unserem Team merkt man: Die wollen echt was schaffen. Das hat mich sofort mitgerissen.
MAX GERSTADT
Team chargeBIG

Mit einem mobilen chargeBIG-Prototyp-Ladeschrank können 18 Elektrofahrzeuge geladen werden. Das hat die ersten Kunden sofort überzeugt. Das nächste Ziel sind 100 Fahrzeuge. „Wir arbeiten hier eng mit unseren Kunden zusammen, um ihr Feedback direkt miteinfließen zu lassen.“ Und das Feed­back von MAHLE? Schmunzeln im Team. Die Entscheidungsgeber waren sich auch intern einig. Bei dem letzten Gespräch hieß es nur: „Was braucht ihr an Ressourcen, um noch weiter zu kommen?“

Übrigens: Das Team von chargeBIG freut sich, dass der Flughafen Stuttgart und die Landesbank Baden-Württemberg auf die Ladelösung der MAHLE Coprorate Start-ups setzen. Zudem sind seit Sommer 2019 im unternehmenseigenen Parkhaus am MAHLE Hauptsitz in Bad Cannstatt 100 Ladepunkte in Betrieb. Derzeit testet das chargeBIG-Team ihr neues Bezahlsystem im MAHLE Parkhaus. Gleichzeitig arbeitet chargeBIG mit dem Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V. sowie seinen Energiezählerlieferanten an der Eichrechtskonformität. Im dritten Quartal 2020 soll eine Lösung für das zentralisierte System fertig sein.